Traurednerin? Jap… tatsächlich mein absolutes berufliches Wow–Erlebnis!
Traumjob: gefunden!
Es gibt diese Momente im Leben, in denen man plötzlich weiß: Genau das ist es.
Kein großes Feuerwerk.
Keine Fanfare.
Nur dieses leise, klare Gefühl.
Hier bin ich richtig.
Bei mir hat es ein bisschen gedauert, bis ich dort angekommen bin.
Ich habe vieles ausprobiert.
Wege gewechselt.
Neues begonnen.
Mich weiterentwickelt.
Und mich immer wieder gefragt:
Was passt wirklich zu mir?
Was erfüllt mich?
Was lässt mich morgens mit einem guten Gefühl aufstehen?
Und dann – irgendwann – war sie da.
Die Idee vom Reden.
Als Traurednerin.
Heute darf ich sagen: Genau das ist mein absoluter Traumjob.
Ich liebe die Aufregung vor einem Erstgespräch.
Diese leise Vorfreude.
Denn ich weiß: Gleich lerne ich zwei Menschen kennen, die mir ihre Geschichte anvertrauen.
Ihre ganz eigene Liebesgeschichte.
Mit großen Momenten.
Mit kleinen Geheimnissen.
Mit Eigenheiten, die sie einzigartig machen.
Und mit diesen wunderbar verrückten Details, die nur sie beide verstehen.
Dann, wenn alles klappt, kommt dieser eine Satz:
„Wir möchten, dass du uns als unsere Traurednerin begleitest.“
Und jedes Mal denke ich:
Ja.
Wie wunderbar. Genau das möchte ich auch.
Ich liebe dieses Gefühl.
Dann beginnt die eigentliche Reise.
Ich höre zu.
Ich tauche ein.
Ich frage nach.
Ich lese zwischen den Zeilen.
Und aus all diesen kleinen und großen Puzzleteilen entsteht etwas Neues.
Eine Zeremonie, die nur zu diesem einen Paar passt.
Keine Hochzeit ist wie die andere.
Genau das liebe ich.
Kurz vor der Trauung verändert sich die Luft.
Sie wird dichter.
Spürbarer.
Diese besondere Anspannung.
Nicht nervös.
Eher lebendig.
Habe ich an alles gedacht?
Sitzt jeder Satz?
Passt der Ablauf?
Sind die Taschentücher griffbereit?
Dann geht die Tür auf.
Das Paar kommt.
Und plötzlich ist alles da.
Die Liebe.
Die Aufregung.
Das Kribbeln.
Das Lachen.
Die Tränen.
Alles gleichzeitig.
Alles echt.
Und ich darf mittendrin sein.
Ich darf Worte finden für etwas, das oft größer ist als Sprache.
Dann, etwas später, kommt dieser Moment danach.
Das Paar strahlt.
Die Gäste umarmen sich.
Es wird gelacht, geweint, gratuliert.
Und ich stehe da.
Und denke nur:
Wow.
Was für ein Privileg.
Allerdings gibt es da auch noch diese andere Seite.
Die, über die man nicht so oft spricht. Und nicht so gern.
Gemeint ist die „Warte-„Zeit zwischen den Hochzeiten.
Oder genauer: die Zeit, in der es still wird.
Keine neuen Anfragen.
Kein neues „Wir möchten dich kennenlernen“.
Das ist die sogenannte tricky time.
Während andere denken:
Was für ein wunderschöner Beruf – Liebe, Hochzeiten, Emotionen!
sitze ich manchmal da und denke:
Ähm… hallo? Ist da noch jemand?
Und genau in dem Moment beginnt es dann.
Das Gedanken-Ringelspiel.
War das die richtige Entscheidung?
Habe ich genug investiert?
Bringen die Plattformen etwas?
Die Messen?
Die Werbung?
Die Website?
Und wird sich das alles irgendwann tragen?
Ganz ehrlich:
Das ist die weniger glitzernde Seite meines Traumjobs.
Denn, ja, auch ein Traumjob ist ein Business.
Und jedes Business braucht Kund:innen.
Doch manchmal, dazwischen, da braucht es genau eines:
Abstand.
Rausgehen.
Atmen.
Gehen.
Weitergehen.
Die Natur spüren.
Den Kopf frei bekommen.
Einmal tief durchatmen.
Und mich erinnern.
An das Lächeln meines letzten Paares.
An die glänzenden Augen.
An die Umarmungen.
An diesen einen Satz:
„Danke, dass du unsere Geschichte genau so erzählt hast.“
Und in diesen Momenten passiert es.
Ganz leise.
Ganz plötzlich.
Ist es wieder da.
Dieses Gefühl.
Diese Klarheit.
Doch. Genau das ist es.
Ich habe etwas gefunden, wonach ich lange gesucht habe.
Diese eine Arbeit, in der ich mich wiederfinde.
Ganz. Echt. Unverstellt.
Eine Arbeit, die meine Kreativität braucht.
Meine Empathie.
Meine Liebe zu Menschen.
Meine Freude an Geschichten.
Meine Begeisterung für Worte.
Und dieses tiefe Bedürfnis, etwas Einzigartiges zu schaffen.
Traurednerin zu sein, bedeutet für mich so viel mehr, als vorne zu stehen und zu sprechen.
Es bedeutet, Menschen wirklich zu sehen.
Ihnen zuzuhören.
Ihre Geschichte zu bewahren.
Und für einen Moment Teil davon zu sein.
Das ist mein WOW.
Auch wenn ich zwischendurch zweifle.
Auch wenn ich rechne, überlege, hinterfrage.
Ich weiß: Ich habe unglaublich viel Glück.
Denn ich darf etwas tun, das sich nicht nach Arbeit anfühlt.
Zumindest nicht nur.
Ich darf das tun, was ich liebe.
Und wenn am Ende einer Trauung zwei Menschen vor mir stehen, sich ansehen und dieses Leuchten in den Augen haben, dann weiß ich:
Ich habe meinen Traumjob gefunden.
Und dafür bin ich unendlich dankbar.