Ich könnte natürlich behaupten, ich sei für alles zuständig.
Ich schreibe die Rede.
Ich sorge für die großen Gefühle.
Ich halte die Fäden zusammen.
Ich mache nebenbei die Fotos, filme die Trauung, singe beim Sektempfang und kümmere mich darum, dass der Regen bitte erst nach dem letzten Programmpunkt kommt.
Kann ich alles nicht.
Und genau das ist wunderbar.
Denn eine Hochzeit ist kein Soloprojekt.
Und ich finde: Konkurrenz gibt es nicht, wenn man weiß, dass man gemeinsam besser ist.
Ich bin freie Rednerin. Das ist mein Spielfeld. Meine Leidenschaft. Mein Handwerk.
Ich liebe es, Geschichten aus Menschen herauszukitzeln, die sie vielleicht selbst schon vergessen haben. Ich liebe diese kleinen Details, aus denen plötzlich eine ganze Beziehungsgeschichte entsteht. Ich liebe den Moment, wenn aus Worten Emotion wird und aus einer Trauung etwas, das wirklich nur diesem einen Paar gehört.
Aber dann kommt der Fotograf.
Und plötzlich sehe ich meinen eigenen Moment durch seine Augen.
Da ist die Videografin, die nicht nur Bilder sammelt, sondern die Atmosphäre dieses Tages konserviert.
Da sind Musiker:innen, die mit einem einzigen Lied einen Raum verändern können.
Da ist die Floristin, die aus einem Raum einen Ort macht.
Der Wedding Planner, der gefühlt gleichzeitig drei Dinge hört, fünf Dinge organisiert und dabei noch erstaunlich entspannt aussieht.
Der DJ, das Catering, die Location, Hair & Make-up, Technik …
Und alle machen etwas anderes.
Aber alle arbeiten für dasselbe Ergebnis:
Dieses Paar soll sich an diesen Tag erinnern und sagen: Genau so sollte es sein.
Und dafür braucht es kein gegenseitiges Übertrumpfen.
Es braucht Zusammenarbeit.
Ich finde es ehrlich gesagt ziemlich großartig, wenn Kolleg:innen richtig gut in ihrem Job sind.
Wenn ich einen Fotografen empfehle, dann möchte ich nicht denken: „Hoffentlich ist er nicht besser als ich.“
Sondern:
„Hoffentlich ist er verdammt gut.“
Denn dann wird auch mein Beitrag besser.
Wenn die Fotografin den perfekten Moment erwischt, habe ich vielleicht genau deshalb die Möglichkeit, mich ganz auf meine Rede zu konzentrieren.
Wenn die Musikerin spürt, dass ein Moment noch einen Atemzug länger braucht, entsteht eine Stimmung, die ich in Worten gar nicht herstellen könnte.
Wenn die Wedding Plannerin den Ablauf so gut im Griff hat, dass ich mich nicht um hundert Kleinigkeiten kümmern muss, kann ich das tun, wofür ich da bin:
Menschen berühren.
Und genau deshalb liebe ich mein Netzwerk.
Nicht, weil ich möglichst viele Kontakte in meinem Handy haben möchte.
Sondern weil ich Menschen kenne, auf die ich mich verlassen kann.
Menschen, mit denen man sich manchmal nur kurz ansieht und weiß:
„Du hast es auch gesehen.“
Den Blick der Braut.
Die Nervosität des Bräutigams.
Den Moment, in dem jetzt besser noch nicht gesprochen werden sollte.
Oder den Moment, in dem jetzt unbedingt Musik kommen muss.
Das ist für mich Professionalität.
Nicht, alles alleine können zu müssen.
Sondern zu wissen, wer was richtig gut kann.
Und dann gibt es noch etwas, das ich an diesem Miteinander liebe:
Ich lerne.
Immer.
Von jeder Hochzeit nehme ich etwas mit.
Eine Idee.
Eine Perspektive.
Eine neue Lösung.
Manchmal auch einen kleinen Aha-Moment.
Denn wenn man davon überzeugt ist, bereits alles zu wissen, wird es irgendwann ziemlich langweilig.
Ich möchte lieber neugierig bleiben.
Und ich möchte Kolleg:innen um mich haben, die mich inspirieren.
Die mir zeigen, wie sie Dinge machen.
Die mich vielleicht auch einmal überraschen.
Denn ganz ehrlich:
Wir müssen uns nicht gegenseitig kleiner machen, damit wir selbst größer wirken.
Es ist genug Platz für gute Fotograf:innen.
Für großartige Musiker:innen.
Für wunderbare Wedding Planner.
Für fantastische Florist:innen.
Für Redner:innen mit ganz unterschiedlichen Stimmen und Stilen.
Für Menschen, die ihren Beruf lieben und trotzdem nicht ständig beweisen müssen, dass sie die Besten sind.
Vielleicht ist genau das der Unterschied zwischen Konkurrenz und Netzwerk:
Konkurrenz fragt:
„Wer ist besser?“
Ein gutes Netzwerk fragt:
„Was können wir gemeinsam daraus machen?“
Und ich weiß ziemlich genau, für welche Frage ich mich entscheide.
Denn am Ende steht nicht mein Name auf dem Hochzeitstag.
Da steht die Geschichte von zwei Menschen.
Und wenn wir alle unseren Teil dazu beitragen, kann daraus etwas entstehen, das größer ist als die Summe unserer einzelnen Leistungen.
Ein Moment, bei dem die Braut lacht.
Der Bräutigam schluckt.
Die Mama heimlich weint.
Der Fotograf im richtigen Augenblick den Auslöser drückt.
Die Musik genau dann einsetzt, wenn sie soll.
Und ich vielleicht kurz denke:
Ja. Genau dafür machen wir das.
Nicht gegeneinander.
Miteinander.
Und wenn dabei am Ende alle ein bisschen besser geworden sind als vorher, dann war es sowieso eine richtig gute Hochzeit.