Ich habe eine ziemlich genaue Vorstellung davon, was ich schön finde.
Ich mag bestimmte Farben. Bestimmte Blumen. Bestimmte Musik. Ich habe Lieblingslocations, Lieblingskonzepte, Lieblingsmomente. Und natürlich gibt es auch Hochzeiten, bei denen ich mir denke: Wow. Genau so würde ich es machen.
Aber dann ist da ein kleines, entscheidendes Detail:
Es ist nicht meine Hochzeit.
Und genau darin liegt für mich eine der spannendsten Aufgaben als freie Traurednerin.
Wie schaffe ich es, meine persönlichen Vorlieben ganz weit nach hinten zu stellen – und mich stattdessen vollkommen auf das Paar einzulassen?
Die Antwort klingt zunächst ziemlich einfach:
Zuhören.
Aber richtig zuhören ist mehr, als darauf zu warten, dass jemand mit dem Erzählen fertig ist.
Ich möchte verstehen, was zwei Menschen ausmacht. Was sie verbindet. Was ihnen wichtig ist. Was sie lustig finden. Worüber sie streiten. Was sie gemeinsam durchgestanden haben. Welche kleinen Eigenheiten sie aneinander lieben – und vielleicht manchmal auch ziemlich nervig finden.
Ich möchte nicht hören, wie eine „perfekte Hochzeit“ aussehen sollte.
Ich möchte hören, wie diese beiden Menschen ihre Hochzeit erleben möchten.
Und dafür muss ich meine eigene Vorstellung von Perfektion manchmal ziemlich konsequent zur Seite schieben.
Denn vielleicht würde ich niemals diese Musik auswählen.
Vielleicht wäre diese Location nicht meine erste Wahl.
Vielleicht würde ich bei der Farbgestaltung spontan noch drei Dinge verändern.
Vielleicht würde ich eine Traurede ganz anders aufbauen.
Aber darum geht es nicht.
Meine Aufgabe ist nicht, meine Traumhochzeit zu inszenieren (denn die hatte ich bereits 😊).
Meine Aufgabe ist, die Geschichte dieses Paares zu erzählen.
Und jetzt kommt der Teil, den ich besonders liebe:
Das bedeutet nämlich nicht, dass ich meine Persönlichkeit an der Garderobe abgebe.
Im Gegenteil.
Ich glaube, dass eine Traurednerin durchaus eine eigene Stimme, einen eigenen Humor, eine eigene Haltung und einen eigenen Stil braucht.
Wenn ich versuche, es allen recht zu machen, werde ich austauschbar.
Wenn ich dagegen einfach nur mein eigenes Ding durchziehe, wird die Traurede schnell zur Selbstdarstellung.
Die Kunst liegt irgendwo dazwischen.
Ich bringe mich ein, ohne mich in den Mittelpunkt zu stellen.
Ich gebe Impulse, ohne die Richtung vorzugeben.
Ich erzähle mit meiner Stimme – aber mit den Worten, Gefühlen und Geschichten des Paares.
Und manchmal passiert dabei etwas ziemlich Schönes:
Ich entdecke, dass das, was zunächst überhaupt nicht „mein Ding“ war, plötzlich genau richtig ist.
Weil es ihr Ding ist.
Vielleicht ist es eine schräge Songauswahl. Ein ungewöhnlicher Ablauf. Ein Insider, den nur die beiden verstehen. Eine Trauung barfuß auf einer Wiese. Oder eine völlig andere Vorstellung davon, was eine romantische Hochzeit überhaupt sein soll.
Und genau dann merke ich wieder:
Authentisch sein bedeutet nicht, alles so zu machen, wie ich es selbst machen würde.
Authentisch sein bedeutet, ehrlich mit meiner eigenen Persönlichkeit zu sein – und gleichzeitig genug Raum zu lassen, damit jemand anderes ganz er selbst sein kann.
Das ist für mich die eigentliche Professionalität einer freien Rednerin:
Nicht meine Vorstellung von einer perfekten Hochzeit durchzusetzen.
Sondern so lange zuzuhören, bis ich verstanden habe, was für dieses Paar perfekt ist.
Und wenn mir das gelingt, dann darf ich am Ende trotzdem ganz ich selbst sein.
Nur eben nicht die Braut.
Nicht der Bräutigam.
Und schon gar nicht Wedding Planner, Stylistin oder Regisseurin ihrer Liebe.
Sondern diejenige, die ihre Geschichte nimmt, sie mit ein bisschen Textzauber versieht – und ihnen für diesen einen besonderen Moment zurückgibt.
Ihre Hochzeit. Ihre Geschichte. Ihr Ja.
Und ich?
Ich darf sie erzählen.
Genau so, wie sie sind.